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ETF vs Immobilie 150.000 Euro Einkommen: Rendite, Steuern, Entscheidungshilfe

ETF vs Immobilie 150.000 Euro Einkommen: Rendite, Steuern, Entscheidungshilfe

Aktualisiert: Mai 2026
7 Min. Lesezeit

Einleitung: Ausgangslage und Ziel

Ein Investor mit 150.000 Euro Jahreseinkommen steht vor der Frage: ETF oder Immobilie? Die beiden Anlageformen unterscheiden sich hinsichtlich Rendite und Steuern. Zudem spielt die Liquidität eine große Rolle. Der Text liefert vergleichende Zahlenbeispiele, konkrete Steuerverweise und eine Entscheidungs-Checkliste. Voraussetzungen sind: risikoneutraler Anleger, ein einzelnes Bestandsobjekt, keine Projektentwicklung, und Standard-ETFs (global, breit gestreut, ausschüttend oder thesaurierend). Die Annahmen werden genannt, damit die Zahlen nachvollziehbar sind. Maßstab für die Immobilie ist eine Jahresnettomiete von 26.375 Euro. Für ETFs verwende ich eine konservative nominale Jahresrendite von 6 %. Ziel: Rendite nach Steuern, Liquiditätsbedarf, Aufwand für Vermietung, Kreditbedarf und eine konkrete Entscheidungshilfe.

Renditeerwartungen: historische Werte und Annahmen

Aktien-ETFs: Historische nominale Renditen globaler Aktienindizes setze ich konservativ mit 6 % p.a. an. Bei 200.000 Euro Anlage ergibt das 12.000 Euro Bruttoertrag jährlich. Diese Annahme fasst Dividendenerträge und Kursgewinne zusammen; sie liegt unter oft genannten 7–8 %.

Immobilien: Die Rendite setzt sich aus Nettomiete, Wertentwicklung und steuerlichen Effekten zusammen. Beispielobjekt: Jahresnettomiete 26.375 Euro. Bei einem Kaufpreis von 500.000 Euro entspricht das einer Nettomietrendite von 5,275 % (26.375 / 500.000). Relevante Kosten sind Instandhaltung, Verwaltung und Leerstände. In der Beispielrechnung betragen die laufenden Kosten 1.500 Euro plus Rücklage 1.500 Euro, also 3.000 Euro jährlich. Danach verbleiben 23.375 Euro effektive Nettomiete, was einer Netto-Rendite von 4,675 % auf 500.000 Euro entspricht.

Praktischer Vergleich: ETF mit 200.000 Euro ergibt 12.000 Euro Brutto. Eine Immobilie mit 500.000 Euro Kaufpreis und 100.000 Euro Eigenkapital benötigt Fremdkapital. Bei gleichem Eigenkapitaleinsatz wirkt der Immobilienhebel stark; Rentabilität hängt deutlich vom Zinssatz und vom Tilgungsplan ab.

Steuerliche Behandlung: relevante Gesetze und Praxis

Kapitalerträge aus ETFs fallen unter § 20 EStG. Auf Erträge greift in der Praxis die Abgeltungsteuer von 25 % zu, zuzüglich Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die Steuer) und gegebenenfalls Kirchensteuer. Beispiel: Dividendenertrag 12.000 Euro führt zu Steuer 25 % = 3.000 Euro; Solidaritätszuschlag auf 3.000 Euro = 165 Euro. Netto bleibt damit 12.000 − 3.165 = 8.835 Euro.

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sind nach § 21 EStG zu erfassen. Der steuerpflichtige Gewinn errechnet sich aus Mieteinnahmen minus Werbungskosten, Schuldzinsen und Abschreibungen. Beispielrechnung: Jahresnettomiete 26.375 Euro − laufende Kosten 3.000 Euro = 23.375 Euro. Abzugsfähige Zinsaufwendungen 12.000 Euro (siehe Finanzierungsannahme weiter unten) und AfA nach § 7 EStG 4.000 Euro (2 % auf Gebäudeanteil 200.000 Euro) führen zu einem zu versteuernden Gewinn von 7.375 Euro. Bei einem angenommenen Grenzsteuersatz von 42 % beträgt die Steuerlast rund 3.098 Euro; der Netto-Cashflow vor Tilgung beträgt damit 7.375 − 3.098 = 4.277 Euro.

AfA nach § 7 EStG konkret: Lineare AfA für Wohngebäude in der Regel 2 % p.a. über 50 Jahre. Die jährliche AfA reduziert das zu versteuernde Einkommen direkt und wirkt vor allem für Anleger mit hohem Grenzsteuersatz steuermindernd.

Praktische Folge: Erträge aus ETFs werden pauschal besteuert; Vermietung erlaubt laufende steuerliche Absetzungen, Verluste sind mit anderen Einkünften verrechenbar. Bei 150.000 Euro Einkommen spart jeder Euro Verlustvortrag den persönlichen Grenzsteuersatz an Steuer.

Liquidität, Laufzeit und Haltedauer

ETFs bieten hohe Liquidität. Verkäufe lassen sich an Handelstagen meist innerhalb eines Tages abwickeln. Beispiel: Ein Verkauf von ETF-Anteilen im Volumen von 50.000 Euro ist an einem Handelstag ausführbar; Orderkosten liegen typischerweise zwischen 0,1 % und 0,5 % des Volumens.

Immobilien sind illiquide. Kauf, Notar, Grundbucheintrag und gegebenenfalls Makler verlangsamen den Verkauf. Einmalige Transaktionskosten beim Kauf betragen regelmäßig etwa 3 % des Kaufpreises; dazu kommt die Grunderwerbsteuer. In Deutschland liegt die Grunderwerbsteuer je nach Bundesland zwischen etwa 3,5 % und 6,5 %. Beispiel: Kaufpreis 400.000 Euro, Transaktionskosten 3 % = 12.000 Euro; Grunderwerbsteuer zusätzlich 14.000 Euro bei 3,5 % und bis 26.000 Euro bei 6,5 %.

Empfohlener Haltehorizont: mindestens 7 Jahre, weil Kaufnebenkosten und Marktzyklen oft erst danach amortisiert sind. Rechenbeispiel: Bei Transaktionskosten 3 % und jährlicher Rendite von 4,5 % beträgt die Amortisationszeit der Kaufnebenkosten rund 7–8 Jahre.

Liquiditätsbedarf bei Immobilie: Eigenkapital, Kaufnebenkosten und Rücklagen. Beispiel: Kaufpreis 400.000 Euro, 20 % Eigenkapital = 80.000 Euro, plus Nebenkosten 3–5 % = 12.000–20.000 Euro.

Risiken, Kosten und Finanzierungsstruktur

Immobilienrisiken umfassen Standortabhängigkeit, Leerstand, Renovationsbedarf und Zinsanstieg bei variablem Kredit. Beispiel Leerstand: Ausfall von zwei Monatsmieten entspricht bei Jahresnettomiete 26.375 Euro einem Verlust von 4.395,83 Euro (26.375 / 12 * 2). Ein Zinsanstieg um 1 Prozentpunkt erhöht die jährliche Zinsbelastung bei 400.000 Euro Kredit um 4.000 Euro.

ETF-Risiken: Markt- und Kursrisiken. ETFs haben keine laufenden Einnahmenausfälle wie Miete, dafür größere Volatilität. Beispiel: Ein Marktverlust von 30 % reduziert den ETF-Wert von 100.000 Euro auf 70.000 Euro. Es fällt kein operativer Aufwand wie Vermietermanagement an; es gibt aber keinen steuerlichen Abschreibungsmechanismus.

Kostenstruktur Immobilie: Erwerbskosten meist rund 3 % plus Grunderwerbsteuer; laufende Kosten umfassen Verwaltung, Versicherungen und Instandhaltung. Finanzierungsbeispiel konkret: Kaufpreis 500.000 Euro, Eigenkapital 100.000 Euro, Kredit 400.000 Euro, Zinssatz 3 % p.a., Tilgung 2 % p.a. Jährliche Zinskosten 12.000 Euro; Tilgung 8.000 Euro. Zinsaufwand reduziert den vorsteuerlichen Gewinn und wirkt somit steuermindernd nach § 21 EStG.

Kostenstruktur ETF: TER (Gesamtkostenquote) typischerweise 0,05–0,5 % p.a.; Ordergebühren einmalig 0,1–0,5 % je Transaktion. Kein laufender Verwaltungsaufwand; bei Nutzung von Fremdkapital (Wertpapierkredit) steigt das Risiko.

Beispielrechnung: Nettoertrag nach Steuern für Investor mit 150.000 Euro

Ausgangsdaten:

  • Anleger-Einkommen: 150.000 Euro
  • ETF-Anlage: 200.000 Euro, erwartete Bruttorendite 6 % = 12.000 Euro p.a.
  • Immobilie: Kaufpreis 500.000 Euro, Eigenkapital 100.000 Euro, Kredit 400.000 Euro
    • Jahresnettomiete: 26.375 Euro
    • Laufende Kosten: 3.000 Euro
    • Zinsen: 3 % p.a. auf Kredit = 12.000 Euro
    • AfA: 2 % auf Gebäudeanteil 200.000 Euro = 4.000 Euro
    • Tilgung: 8.000 Euro p.a. (2 % auf Kredit)

ETF-Berechnung:

  • Bruttoertrag 12.000 Euro
  • Steuer nach § 20 EStG: 25 % = 3.000 Euro
  • Solidaritätszuschlag: 165 Euro
  • Netto: 12.000 − 3.165 = 8.835 Euro
  • Rendite auf eingesetztes Kapital 200.000 Euro = 4,4175 % p.a. (8.835 / 200.000)

Immobilien-Berechnung:

  • Miete 26.375 − laufende Kosten 3.000 − Zinsen 12.000 − AfA 4.000 = zu versteuernder Gewinn 7.375 Euro
  • Steuer (vereinfacht, Grenzsteuersatz 42 %): ≈ 3.098 Euro
  • Netto-Cashflow vor Tilgung = 7.375 − 3.098 = 4.277 Euro
  • Tilgung 8.000 Euro p.a. erhöht Eigenkapital; steuerlich bleibt sie unberücksichtigt
  • Rendite auf eingesetztes Eigenkapital 100.000 Euro = 4,277 % p.a. plus Schuldenabbau

Interpretation: Der ETF liefert 4,4175 % Netto auf das eingesetzte Kapital, Gelder bleiben sofort verfügbar und Verwaltung ist minimal. Die Immobilie liefert 4,277 % Netto-Cashflow auf eingesetztes Eigenkapital; zusätzlich entsteht Vermögensaufbau durch Tilgung und mögliche Wertsteigerung. Der Hebeleffekt kann die Eigenkapitalrendite erhöhen; er verschärft zugleich Zins- und Liquiditätsrisiken.

Sensitivitätsbetrachtung kurz:

  • Steigt der Zinssatz um 1 Prozentpunkt, erhöhen sich die jährlichen Zinskosten um 4.000 Euro bei 400.000 Euro Kredit. Das reduziert den zu versteuernden Gewinn und den Netto-Cashflow; bei konstanten Mieteinnahmen kann der Cashflow negativ werden.
  • Sinkt die ETF-Rendite auf 4 % p.a., reduziert sich der Nettoertrag nach § 20 EStG auf rund 6.765 Euro bei 200.000 Euro Einsatz.

Fazit und praktische Entscheidungskriterien

Vor- und Nachteile:

  • ETF: hohe Liquidität und geringe laufende Kosten. Pauschale Besteuerung nach § 20 EStG. Einfache Diversifikation. Nachteil ist die Kursvolatilität; es gibt keinen steuerlichen Abschreibungsmechanismus.
  • Immobilie: Hebelwirkung durch Fremdkapital; steuerliche Absetzbarkeit von AfA (§ 7 EStG) und Zinsen. Möglicher Inflationsschutz. Nachteile sind Illiquidität, laufender Verwaltungsaufwand, Leerstands- und Standortrisiko sowie Erwerbsnebenkosten von etwa 3 % plus Grunderwerbsteuer.

Konkrete Checkliste zur Entscheidung:

  • Anlageziel: Sollen laufende Erträge wie Miete oder Dividende erzielt werden, oder steht reines Kapitalwachstum im Vordergrund?
  • Zeitrahmen: Für Immobilien sollte man mindestens 7 Jahre einplanen; ETFs sind inner- wie außerbörslich flexibel verfügbar.
  • Risikoakzeptanz: ETFs bergen Markt- und Kursrisiko; Immobilien haben Standort- und Zinsrisiken.
  • Verfügbare Liquidität: Immobilie benötigt Eigenkapital und Nebenkosten; für ETFs reicht der Kaufbetrag.
  • Steuerliche Situation: Persönliche Progression bei § 21 EStG gegen Abgeltung nach § 20 EStG abwägen; AfA-Effekt nach § 7 EStG prüfen.

Praktische Empfehlung: Bei 150.000 Euro Einkommen ist eine Mischstrategie plausibel. Ein Kern-ETF-Portfolio sorgt für Liquidität und Diversifikation. Zusätzlich kann eine einzelne Immobilie für Hebelung und inflationsgeschützte Einnahmen sorgen. Vor dem Erwerb einer Immobilie sollte eine konkrete Kalkulation von Zinskosten, laufenden Kosten und einer Mindesthaltefrist von 7 Jahren erfolgen. Szenarien für Leerstand und Zinsanstieg von jeweils mindestens 1 Prozentpunkt sind durchzurechnen.

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