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ETF vs Immobilie für 100.000 Euro Einkommen

ETF vs Immobilie 100.000 Euro Einkommen: Rendite, Steuern, Risiko

Aktualisiert: Mai 2026
8 Min. Lesezeit

Kurzüberblick: Bedeutung von 100.000 Euro Bruttoeinkommen

Bei 100.000 Euro Brutto steigt Ihre jährliche freie Spar- und Investitionskraft gegenüber einem Medianhaushalt deutlich, weil Sie höhere verfügbare Mittel nach Steuern haben. Steuerlich erreichen Sie als Alleinstehende(r) die Progressionszone mit einem Grenzsteuersatz nahe 42 %. Sozialversicherungsbeiträge mindern das verfügbare Nettoeinkommen zusätzlich. Als konkreten, pragmatischen Ausgangswert verwenden wir den frei verfügbaren Anlagebetrag von 26.375 Euro. Dieser Betrag entspricht 2.197,92 Euro monatlich (26.375 / 12 = 2.197,92).

Unter den folgenden Annahmen ergeben sich die Grundlagenrechnungen: Brutto 100.000 Euro; Netto nach Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialabgaben etwa 60.500 Euro (in der Bandbreite 60.000 bis 62.000 Euro); Lebenshaltungskosten jährlich 33.000 Euro. Daraus resultiert ein jährlicher Überschuss von rund 27.500 Euro. Wir runden konservativ auf 26.375 Euro als verlässlich disponiblen Anlagebetrag. Diese Zahl bleibt in allen Vergleichsmodellen unverändert, damit die jeweiligen Effekte auf Rendite, Liquidität und Hebelwirkung direkt vergleichbar sind. Für Detailvergleiche siehe Sibling-Slug.

Die 26.375 Euro erlauben mehrere strategische Optionen: Sie können als Einmalanlage in breit gestreute ETFs genutzt werden. Alternativ sind sie als Eigenkapital für eine Immobilie einsetzbar; eine Aufteilung beider Varianten ist ebenfalls möglich. Bewertungsdimensionen sind Rendite nach Kosten und Steuern sowie Liquidität. Weitere Kriterien sind laufender Aufwand und die Wirkung von Fremdkapital.

Renditeprofil ETFs: Erwartungswerte und Volatilität

Breit gestreute Aktien-ETFs erzielten historisch höhere Durchschnittsrenditen als festverzinsliche Anlagen. Für Vergleichsrechnungen setzen wir eine angenommene mittlere Jahressrendite von 7 % (Zahl: 7). Diese 7 % sind als langfristiger Mittelwert zu verstehen; jährliche Schwankungen können 10 bis 20 Prozentpunkte betragen.

Kosten: typische Gesamtkosten (TER plus Handelskosten) bewegen sich realistisch zwischen 0,1 und 0,5 Prozentpunkten pro Jahr. Beispielrechnung: TER 0,2 % plus Handelskosten 0,1 % → Kostenlast 0,3 Prozentpunkte. Bruttorendite 7 % − 0,3 % = 6,7 % vor Steuern.

Steuerliche Belastung: Kapitalerträge unterliegen in Deutschland den Regeln des § 20 EStG und der Abgeltungsteuer. Praktisch sind 25 % Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die Steuer) zu berechnen; ohne Kirchensteuer ergibt sich eine effektive Belastung von 26.375 % auf die Erträge (25 % + 1,375 % = 26.375 %). Nach Kosten und Steuern verbleibt: 6,7 % * (1 − 0,26375) ≈ 4,94 % effektive Nettojahresrendite.

Konkretes Rechenbeispiel: Einmalanlage 26.375 Euro

  • Brutto am Jahresende bei 7 %: 26.375 * 1,07 = 28.222,25 Euro.
  • Nach Kosten (0,3 Prozentpunkte) effektiv etwa 28.136 Euro.
  • Rohertrag ≈ 1.761 Euro; Steuer (26.375 %) ≈ 464 Euro.
  • Nettoendwert ≈ 27.672 Euro, Jahresrendite ≈ 4,94 %.

Vorteile von ETFs sind sofortige Liquidität. Sie bieten zudem breite Diversifikation über Länder und Branchen. Der administrative Aufwand ist gering. Nachteile entstehen durch Kursvolatilität mit kurzfristigen Verlusten sowie durch die steuerliche Belastung bei Realisation nach § 20 EStG.

Renditeprofil Immobilie: Mietrendite, Hebel und Langlebigkeit

Bei Immobilienrechnungen unterscheiden wir Brutto- und Nettoanfangsrendite. Für Bestandswohnungen sind konservative Nettoanfangsrenditen von 3 % (Zahl: 3) auf den Kaufpreis ein praxisübliches Beispiel. Nettoanfangsrendite = Jahresnettomiete nach Werbungskosten / Kaufpreis. Diese 3 % beinhalten typische Betriebs- und Instandhaltungskosten, nicht aber Finanzierungskosten.

Hebelwirkung: Verwenden Sie 26.375 Euro als Eigenkapital. Bei 20 % Eigenkapital können Sie einen Kaufpreis von 131.875 Euro finanzieren (26.375 / 0,20 = 131.875). Jahresnettomiete bei 3 %: 0,03 * 131.875 ≈ 3.956 Euro.

Finanzierungskosten: Darlehen = 105.500 Euro. Beispielzins 3,5 % → jährliche Zinslast ≈ 3.692 Euro. Cash-on-Cash-Rendite vor Finanzierung = 3.956 / 26.375 ≈ 15,0 %. Nach Zinsen verbleibt ein laufender Cashflow vor Tilgung von 3.956 − 3.692 = 264 Euro.

Steuerliche Wirkung: Abschreibungen nach § 7 EStG (lineare AfA) auf den Gebäudeanteil mindern das zu versteuernde Einkommen aus Vermietung. Beispiel: Gebäudewert 105.500 Euro mit 2 % AfA → AfA 2.110 Euro p.a. Kombiniert mit den Zinskosten kann dies zu einem steuerlich relevanten Verlust führen, der sich mit anderen Einkünften verrechnen lässt.

Langfristiger Effekt: Immobilien bieten Hebelwirkung und potenzielle Wertsteigerung. Anfänglich ist der laufende Cashflow bei hoher Fremdfinanzierung oft knapp. Zusätzliche Belastungen entstehen durch Instandhaltung, Verwaltung, Mietausfallrisiko und Reinvestitionen in Renovierung.

Steuerliche Behandlung: Relevante Normen und Praxis

Kapitalerträge unterfallen dem Regelwerk des § 20 EStG. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung werden in § 21 EStG geregelt. Abschreibungsfragen für abnutzbare Wirtschaftsgüter sind in § 7 EStG festgelegt (lineare AfA; Bemessungsgrundlage, Nutzungsdauer). Diese Paragraphen sind zentral für die Steuerwirkung beider Anlageklassen.

Konkrete Steuerwirkung anhand kleiner Rechenbeispiele:

  • ETF: Bei realisiertem Gewinn von 1.000 Euro greift die Abgeltungsteuer aus § 20 EStG: 25 % = 250 Euro; Solidaritätszuschlag 5,5 % auf 250 Euro = 13,75 Euro → Summe ≈ 263,75 Euro. Effektiv entspricht das dem oben verwendeten Steuersatz von 26.375 % auf Erträge.
  • Immobilie: Jahresnettomiete 3.956 Euro minus abzugsfähige Zinsen 3.692 Euro = 264 Euro steuerpflichtig vor AfA. AfA nach § 7 EStG (2 % auf 105.500 Euro = 2.110 Euro) führt zu einem steuerlichen Verlust von 1.846 Euro, der mit anderen positiven Einkünften verrechnet werden kann.

Weitere steuerliche Einflussfaktoren sind Grunderwerbsteuer, Vorsteuerkorrekturen bei Umnutzung, AfA-Bemessungsgrundlage und Sonderabschreibungen. Bei Vermietung sind die Regeln des § 21 EStG für die Einkunftsart bindend; für Kapitalanlagen sind die Regelungen des § 20 EStG maßgeblich. Die steuerliche Wirkung verändert die Cashflows und beeinflusst die Rendite nach Steuern deutlich.

Für Detailfragen zur AfA-Berechnung und Sonderfällen verweisen wir auf weiterführende Quellen: Sibling-Slug.

Liquidität, Diversifikation und laufender Aufwand

ETFs sind liquide: Verkauf ist börsentäglich möglich, Orderausführung erfolgt innerhalb eines Handelstages, Verkaufsprovisionen sind niedrig. Die 26.375 Euro sind damit jederzeit mit Marktrisiko verfügbar. Diversifikation durch ETFs streut ein Unternehmensausfallrisiko über Tausende von Titeln.

Immobilien binden Kapital langfristig. Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler) betragen in Deutschland im praktischen Bereich 8 bis 12 % des Kaufpreises. Bei 131.875 Euro Kaufpreis ergeben sich Nebenkosten zwischen 10.550 Euro (8 %) und 15.825 Euro (12 %). Diese Nebenkosten müssen Sie zusätzlich finanzieren oder aus Rücklagen zahlen; sie reduzieren die effektive Einsatzquote des Eigenkapitals.

Laufende Instandhaltung: konservativ sind 1 bis 2 % des Kaufpreises pro Jahr; bei 131.875 Euro entspricht das 1.319 bis 2.638 Euro p.a. Hausverwaltung kostet typischerweise 8 bis 20 % der Mieterlöse; bei 3.956 Euro Jahresmiete bedeutet das 316 bis 791 Euro p.a. Leerstand und Mietausfallversicherung sind weitere, konkret zu kalkulierende Posten.

Zeitaufwand: ETF-Sparpläne benötigen einmalige Konfiguration und gelegentliche Kontrolle, zum Beispiel ein jährliches Rebalancing. Property-Management erfordert fortlaufende Kommunikation, Mietersuche und Koordination von Dienstleistern oder die Beauftragung einer Verwaltung.

Diversifikationseffekt: Ein einzelnes Immobilienobjekt erzeugt hohes Klumpenrisiko. Mehrere Objekte oder Immobilienfonds reduzieren dieses Risiko; sie erhöhen aber die Einstiegshürde. Kombinationen aus ETF-Anteil und Immobilie verringern die Gesamtvolatilität, erhöhen jedoch Komplexität und Illiquidität.

Risiko- und Sensitivitätsanalyse: Zins-, Preis- und Renditeschocks

Szenario A: Aktienmarktcrash; kurzer Rückgang von 30 % in Jahr 1. Bei 26.375 Euro reduziert sich der Wert auf 18.462 Euro. Bei anschließender Rückkehr zur mittleren Rendite 7 % über einen 10-Jahres-Zeitraum bleibt langfristig Aufholpotenzial bestehen, kurzfristig aber hohe Volatilität.

Szenario B: Zinsanstieg 200 Basispunkte; für das Darlehen 105.500 Euro bedeutet ein Zinsanstieg um 2 Prozentpunkte eine Mehrbelastung von 2.110 Euro p.a. (0,02 * 105.500). Der vorher knappe Cashflow von 264 Euro wird damit deutlich negativ (−1.846 Euro). Steigende Zinsen gefährden Tilgungspläne und können Liquidität erfordern.

Szenario C: Immobilienpreisrückgang 15 %; Kaufpreis 131.875 Euro fällt auf 112.094 Euro → nominaler Verlust 19.781 Euro. Eigenkapital 26.375 Euro reduziert sich rechnerisch auf ≈6.594 Euro; bei gleichbleibender Fremdfinanzierung entsteht ein erhöhtes Zins- und Refinanzierungsrisiko. Hebel verstärkt Verluste; ein ETF unterliegt keinem direkten Kreditrisiko.

Steuereffekte: Bei Immobilien führen Zinsen und AfA nach § 7 EStG häufig zu steuerlichen Verlusten. Solche Verluste erhöhen die Liquidität nicht direkt, sie mindern jedoch die Steuerlast. Bei Aktien sind Verluste nach § 20 EStG nur innerhalb des Kapitalkonto-Systems verrechenbar.

Beurteilung: ETFs haben höhere Marktschwankungen und bieten sofortige Liquidität. Immobilien bergen Zins- und Liquiditätsrisiko; sie bieten zugleich Hebelwirkung und steuerliche Abschreibungsvorteile (§ 7 EStG) sowie die Einstufung der Einkünfte nach § 21 EStG.

Konkretes Rechenbeispiel mit 26.375 Euro Anlagebetrag

Ausgangswerte: verfügbarer Anlagebetrag = 26.375 Euro.

Variante A; Einmalanlage in ETF:

  • Bruttorendite 7 % (Zahl: 7); Kosten 0,3 Prozentpunkte; Steuerbelastung 26.375 % auf Erträge → Nettojahresrendite ≈ 4,94 %.
  • Jahr 0: 26.375 Euro
  • Jahr 10 ETF (4,94 % p.a.): 26.375 * (1,0494)^10 ≈ 42.450 Euro.
  • Liquidität: Verkauf an Börse möglich; steuerliche Belastung nach § 20 EStG bei Realisation.

Variante B; Einsatz als Eigenkapital für Immobilie:

  • Nettoanfangsrendite 3 % (Zahl: 3) auf Kaufpreis; Eigenkapital 26.375 Euro = 20 % → Kaufpreis = 131.875 Euro.
  • Jahresnettomiete = 3 % * 131.875 ≈ 3.956 Euro.
  • Darlehen = 105.500 Euro; Zins 3,5 % → Zinskosten ≈ 3.692 Euro p.a.; Cashflow vor Tilgung ≈ 264 Euro.
  • Konservative Wertsteigerung 2 % p.a. → Kaufpreis Jahr 10 ≈ 160.758 Euro.
  • Eigenkapital nach 10 Jahren (ohne Tilgung, nur Wertzuwachs): 160.758 − 105.500 = 55.258 Euro.
  • Steuerlich relevante Aspekte: Einkünfte nach § 21 EStG; AfA nach § 7 EStG reduziert das steuerliche Ergebnis.

Vergleich in Zahlen:

  • ETF Endwert ≈ 42.450 Euro (liquide, steuerpflichtig nach § 20 EStG bei Realisation).
  • Immobilieneigenkapital ≈ 55.258 Euro (gebunden, enthält Wertsteigerung, steuerliche Abschreibung nach § 7 EStG und Einkünfte nach § 21 EStG).

Break-even-Punkt: Bei den verwendeten Annahmen (ETF-Netto 4,94 % p.a.; Immobilienwertsteigerung 2 % p.a.; keine Tilgung) übertrifft das gebundene Immobilieneigenkapital nach zehn Jahren den ETF-Endwert. Der Break-even liegt in diesem Szenario zwischen Jahr 6 und 8, abhängig von Zinsentwicklung und Mietentwicklung. Nebenkosten spielen ebenfalls eine Rolle. Entscheidend für die Wahl ist Ihre Präferenz bezüglich Liquidität, Verwaltungsaufwand sowie der Bereitschaft, Zins- und Leerstandsrisiken zu tragen.

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